Nachträgliche Synchronisation von Ton zu bestehendem Bildmaterial — Musik, Dialog oder Effekte später eingespielt. Klassisch bei Lipsync und Tanzszenen.
Repiquage bezeichnet die Technik, Ton nachträglich an bestehendes Bildmaterial zu binden — wenn die Originalaufnahme unbrauchbar ist oder künstlerisch neu bewertet wird. Es handelt sich nicht um ADR im klassischen Sinn, der Nachsynchronisation von Dialogen, sondern um einen handwerklich breiteren Ansatz, der Musik, Dialog und Effekte gleichermaßen umfasst.
In der Praxis liegt geschnittenes Bildmaterial vor — eine Tanzszene, ein Lipsync-Shot oder eine Musiknummer. Das Material wird abgespielt, der Schauspieler oder Musiker sitzt im Studio und singt oder spricht live mit, während die Kamera stillsteht. Die neue Tonaufnahme wird direkt auf das Bildmaterial gepickt — daher der Name. Bei Tanzszenen läuft die Musik im Hintergrund, der Tänzer bewegt sich synchron, die finale Tonspur wird anschließend perfektioniert. Das vermeidet monatelanges Schnittwerk und Effekt-Layering, wenn Originalmusik oder Originaldialog nicht zu halten sind.
Der Unterschied zu klassischem ADR liegt im Umfang: ADR rekonstruiert ausschließlich Dialog in der Kabine — Repiquage schließt Musik, Atmosphären und ganze Soundtracks ein. Die Arbeit richtet sich gegen bestehendes Bildmaterial, nicht abstrakt im Studio. Das erzwingt größere Präzision, erhöht aber auch den Zeitaufwand. Die Kamera muss stillstehen, der Schnitt muss abgeschlossen sein, und die Synchronität muss stimmen.
Klassische Szenarien: eine Tanzfilmszene mit degradiertem Originalton; Schauspieler, deren Lippen in Nahaufnahmen nicht passen, weil in einer anderen Sprache oder mit unzureichendem Mikrofon gedreht wurde; moderne Musikvideos, bei denen die Live-Performance später in optimaler Studioqualität eingespielt wird. Repiquage kommt überall dort zum Einsatz, wo Original und Bild sich voneinander gelöst haben, das Bildmaterial aber erhalten bleiben soll.
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