Editierte Fassung mit temporären Effekten und Platzhaltern — verwendet für Screenings, Feedbackrunden und Schnitt-Iterationen. Niemals finale Qualität.
Rohfassung zusammengeschnitten, Musik drauf, ein paar Quick-and-Dirty-Effekte — fertig zum Zeigen für morgen: Das ist die Arbeitskopie. Ein Film im Stadium zwischen rohem Material und finaler Ablieferung, der intern zirkuliert, um Feedback zu sammeln, Schnitt-Entscheidungen zu validieren oder Produzenten und Regie zu zeigen, wo der Schnitt gerade steht.
Die Arbeitskopie ist nicht das finale Produkt. Sie lebt von Kompromissen: Die VFX sind Previsualisierungen oder gesketchte Platzhalter. Der Sound ist ein Stereo-Mix aus Schnitt-Suite und Proxy-Dateien. Die Farbkorrektur? Höchstens erste Licht-Passes mit LUTs aus der Timeline-Engine. Der Schnitt selbst kann in wenigen Tagen nochmal komplett umgebaut werden — und wird es auch oft. Diese Fassung muss schnell entstehen, auf geringen Rechnern laufen und agil sein.
Am Set oder bei der Dailies-Kontrolle dienen Arbeitskopien dazu, Geschwindigkeit zu prüfen, ob Schnitte funktionieren oder ob eine Szene dramaturgisch passt. Im Feedback-Screening zeigt der Cutter eine Arbeitskopie: Produzent, Regie, vielleicht Sender oder Verleih sehen, wie der Film wirkt, ohne dass 6 Wochen Sound-Design und Farbgrading investiert wurden. Während der Schnittphase entstehen dutzende Arbeitskopien, jede mit Änderungen, jede mit Datum und Version. (Das ist auch der Grund, warum Versionskontrolle unerlässlich ist — Version_151221_Schnitt-v3_mit_neuer_Musik, nicht einfach nur «Schnitt_neu.mov».)
Die technische Realität: Arbeitskopien liegen in niedrigen Auflösungen (1080p statt 4K) vor, mit komprimierten Codecs, oft auf SSDs für schnelle Datentransfers. Audiospuren werden heruntergebounced, Offline-Effekte eliminiert, Proxy-Material eingesetzt. Der Schnittplatz läuft flüssig. Eine Arbeitskopie zu erstellen ist eine Kunst für sich — schnell genug zum Distribuieren, aber präzise genug, dass die visuellen und zeitlichen Entscheidungen erkennbar bleiben. Oft sind es noch Quicktime-Dateien oder DNxHD-Wrapper, die auf jedem Rechner abspielen, ohne dass proprietary Software nötig ist.
Erst wenn Arbeitskopien ausgedient haben — wenn Schnitt, Timing und Struktur final stehen — geht die Datei ins Online-Editing oder DCP-Mastering. Dort entsteht dann die echte Qualität: Original-Material in voller Auflösung, professioneller Sound-Mix, finale Farbkorrektur.
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