Eindeutige Nummer auf jedem Filmframe — Kodak-Standard für digitale und Zelluloid-Materialteilung. EDL und VFX-Koordination verlassen sich darauf.
Jeder einzelne Frame eines Negativ- oder Positivmaterials trägt eine eindeutige Nummer — das ist der Keycode. Kodak hat diesen Standard entwickelt; er sitzt auf dem Zelluloid selbst aufgedruckt, außerhalb des Bildbereichs. In der digitalen Workflow-Welt funktioniert das identisch: Jede digitalisierte Frame erhält beim Scanning automatisch den ursprünglichen Keycode zugewiesen. Das ist keine willkürliche Nummernfolge — sie encodiert tatsächlich die Rolle, die Position und den genauen Kontext des Materials.
Am Set spielt Keycode keine operative Rolle, aber im Schnitt wird er zur Basis der Koordination. Beim Arbeiten im NLE und dem späteren Übergeben an Grading, VFX oder Archivierung wird eine EDL — Edit Decision List — geschrieben. Diese EDL funktioniert nur sauber, wenn jeder Frame exakt über seinen Keycode identifizierbar ist. Das heißt konkret: Schnittentscheidungen sind an Keycode gebunden, nicht an Timecode oder Filename. Ein Dailies-Proxy kann beliebig skaliert oder neu komprimiert werden — der Keycode bleibt invariant.
In der Praxis sind Keycodes in Ebenen-Info-Panels oder Metadaten-Ansichten sichtbar. Das Format ist typisch: Hersteller (KJ für Kodak) – Rollennummer – Frame-Position. Wenn ein VFX-Supervisor eine Platte zurückgibt mit dem Hinweis, Frame 147.500 habe einen Fehler, ist das kein timecode-abhängiger Quark, sondern ein eindeutig identifizierbares Original-Material-Frame. Das erspart endlose Rückfragen, ob ein Pulldown-Fehler oder Framerate-Mismatch vorliegt.
Moderne Workflows integrieren Keycode automatisch: Beim DIT-Report wird er geloggt, in der Conform-Session wird über Keycode die exakte Belichtungs- oder Grading-Info für jeden Schnitt berechnet. Sogar bei digitalen Kameras — wo es technisch kein „Kodak-Material" gibt — simulieren Hersteller einen Keycode-ähnlichen Index im Metadaten-Header, um Kompatibilität zu wahren. Das erspart Migration zu proprietären Datenbanksystemen. Keycode ist die Universalsprache zwischen Schnitt, Grading, VFX und Archiv — und sie funktioniert deshalb so verlässlich, weil sie nicht auf Software angewiesen ist, sondern auf einer physikalischen oder metadata-basierten Realität ruht.
Wo die Nummern stehen — und in welchem Abstand
Die Nummern sitzen am Rand des Negativs und werden bereits bei der Herstellung aufgebracht, im selben Arbeitsgang wie die Perforation: entweder als latentes Bild, das erst bei der Entwicklung sichtbar wird, oder mit sichtbarer Farbe.
Der Abstand ist formatabhängig, und das wird oft falsch wiedergegeben:
- 35 mm — alle 16 Bilder, also ein Fuß beziehungsweise 64 Perforationen
- 16 mm — alle 20 Bilder, also sechs Zoll
Die verbreitete Angabe „alle 20 Bilder" gilt damit nur für 16 mm. Wer sie auf 35 mm überträgt, verrechnet sich um ein Viertel.
Eine Schlüsselnummer besteht aus einem sechsstelligen Vorspann (Hersteller und Rollennummer) und einer vierstelligen Fußzahl. Kodak führte das maschinenlesbare Keykode 1990 ein — davor wurden dieselben Randnummern von Hand gelesen.
Verwandte Begriffe
Quiz
1. Zu welchem Department gehört „Keycode"?