Unerwünschter Farbton über der ganzen Einstellung — zu grün unter Neonlicht, zu blau im Schatten, zu orange unter Wolfram. Weißabgleich oder Filterung beheben es.
Ein Farbstich zeigt sich beim Playback als gleichmäßiger unerwünschter Farbton über das gesamte Bild — etwa ein grünlicher Schimmer unter Neonröhren. Er entsteht, wenn die Farbtemperatur der Lichtquelle nicht mit dem Weißabgleich der Kamera übereinstimmt. Konkret: Die Kamera ist auf Tageslicht (5600 K) eingestellt, gedreht wird aber unter Neonröhren (4200 K oder grünstichig) oder im Schatten (7000+ K, also blaulich).
Am Set stehen drei Hebel zur Verfügung: Weißabgleich korrigieren — das ist die erste Wahl. Gemessen wird mit einem Graukeil, oder die automatische WB-Funktion der Kamera übernimmt die Einstellung (Vorsicht: funktioniert nur, wenn genug neutrales Material im Bildausschnitt vorhanden ist). Manche Kameras haben voreingestellte WB-Modi für Wolfram, Tageslicht oder Neon — das reicht oft für eine schnelle Korrektur. Filter nutzen — ein 1/2 CT Blue unter Wolfram oder ein Magenta-Filter unter Neons kompensiert den Stich optisch, bevor er in den Sensor kommt. Das ist sauberer, weil nicht elektronisch in den RAW-Daten eingegriffen wird. Im Schnitt korrigieren — weniger elegant, aber möglich. LUTs, Color-Grading oder einfache Farbtemperatur-Slider in DaVinci oder Premiere beheben es nachträglich.
Die kniffligen Fälle sind Mischlichtsituationen: Fenster (Tageslicht 5600 K) trifft auf Bürobeleuchtung (4200 K grünstichig). Hier hilft kein einzelner Weißabgleich — entweder wird gezielt abgeblendet, das Kunstlicht angepasst, oder es wird akzeptiert, dass verschiedene Bereiche des Bildes unterschiedliche Stiche haben und diese im Schnitt separat behandelt werden müssen. Farbstiche sind nicht immer Fehler: Intentionaler Farbstich (warmer Orangeton für Nostalgie, kühles Blau für Kälte) ist ein klassisches Gestaltungsmittel. Der Unterschied liegt in der Kontrolle — ein bewusst gesetzter Stich ist kein Versehen.
Empfehlenswert ist ein Weißabgleich-Referenzshot vor dem ersten Take: Kamera auf den Graukeil halten, scharf stellen, WB speichern. Das gibt im Schnitt einen Ankerpunkt für Farbkorrektionen und liefert dem Colorist eine nachprüfbare Grundlage.
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