Pentacon Super-Teleobjektiv mit 200mm Brennweite — DDR-Produktion mit charakteristischer Bildqualität.
Technische Details
Die Pentacon 200 arbeitet mit 16mm-Umkehrfilm und verfügt über ein Bajonett für M42-Schraubgewinde-Objektive. Der Reflexsucher nutzt ein schwenkbares Spiegelsystem mit 45-Grad-Neigung und bietet 0,8-fache Vergrößerung. Das Filmtransportsystem basiert auf einer Exzenterscheibe mit variabler Geschwindigkeitsregelung durch Federwerkantrieb oder 12V-Synchronmotor. Die Kamera fasst 30-Meter-Spulen und erreicht damit etwa 3,3 Minuten Laufzeit bei 24fps. Eine integrierte Belichtungsmessung erfolgt über CdS-Fotozelle mit Zeigerinstrument im Sucher.
Geschichte & Entwicklung
VEB Pentacon entwickelte die Kamera 1968 als Konkurrenz zu westlichen Bolex-Modellen für den Dokumentar- und Lehrfilmbereich. Die Produktion begann 1969 in Dresden und erreichte bis zur Einstellung 1982 etwa 12.000 Exemplaren. Eine motorisierte Variante (Pentacon 200M) folgte 1974 mit erweiterten Synchronisationsmöglichkeiten. Nach der deutschen Wiedervereinigung übernahm Schneider-Kreuznach 1991 den Service für noch im Umlauf befindliche Geräte.
Praxiseinsatz im Film
Die Pentacon 200 kam hauptsächlich in DEFA-Dokumentationen und Fernsehproduktionen der DDR zum Einsatz, darunter Winfried Junge's "Die Kinder von Golzow"-Langzeitstudie (1961-2007). Westliche Filmemacher schätzten die Kamera für Low-Budget-Produktionen wegen des günstigen Preises bei solider Verarbeitung. Der präzise mechanische Filmtransport ermöglichte saubere Zeitlupen- und Zeitrafferaufnahmen, während das leise Laufgeräusch Tonaufnahmen mit Richtmikrofonen erlaubte. Nachteile zeigten sich bei schwachem Licht durch die relativ dunkle Sucherabbildung.
Vergleich & Alternativen
Gegenüber der Schweizer Bolex H16 bot die Pentacon 200 motorisierten Antrieb zu einem Drittel des Preises, erreichte aber nicht deren Präzision im Filmtransport. Die französische Beaulieu R16 übertraf beide durch modernere Elektronik und TTL-Belichtungsmessung. Heute ersetzen digitale Kameras wie die Blackmagic Pocket Cinema Camera 6K Pro den 16mm-Workflow vollständig, wobei vintage 16mm-Ästhetik über Digital-Filter simuliert wird.