DDR-Kamerahersteller aus Dresden — produzierte Objektive und Kameras von 1959-1990.
Technische Details
Die Pentacon Six verwendete das 6×6-Format (56×56mm) mit Brennweiten von 50mm bis 500mm. Das Standard-Biometar 80mm f/2.8 erreichte eine Auflösung von 45 Linienpaaren pro Millimeter bei Blende 8. Der Zentralverschluss arbeitete mit Zeiten von 1 bis 1/500 Sekunde plus Bulb-Modus. Pentacon-Objektive nutzen das M42-Schraubgewinde (42×1mm) oder das propriätäre Pentacon-Six-Bajonett. Die Objektive basieren auf Zeiss-Konstruktionen: Das Biometar entspricht dem Zeiss Planar, das Flektogon dem Zeiss Distagon. Typische Brennweiten umfassen 30mm, 50mm, 65mm, 80mm, 120mm, 180mm und 300mm.
Geschichte & Entwicklung
1959 entstand VEB Pentacon durch Fusion der Kamerahersteller Ihagee und KW (Kamera-Werkstätten). Das Unternehmen übernahm die Zeiss-Objektivkonstruktionen, da Carl Zeiss Jena nach 1945 in der sowjetischen Besatzungszone verblieb. 1966 kam die Pentacon Six auf den Markt, 1968 folgte die Pentacon Super. Die Produktion endete 1990 mit der deutschen Wiedervereinigung. Zwischen 1959 und 1990 stellte Pentacon etwa 4 Millionen Objektive her, davon 150.000 für das Mittelformat.
Praxiseinsatz im Film
Pentacon-Objektive finden heute primär in der Arthouse- und Independent-Filmproduktion Verwendung, wo ihr charakteristisches Bokeh und die leichte Vignettierung als Stilmittel geschätzt werden. Das Flektogon 50mm f/4 produziert bei offener Blende eine deutliche Randabschattung, die für dramatische Portraitaufnahmen genutzt wird. Moderne Filmemacher adaptieren Pentacon-Objektive über Objektivadapter an digitale Kameras. Der manuelle Fokus und die stufenlose Blende ermöglichen präzise Kontrolle bei Schärfeverlagerungen (Focus Pulls).
Vergleich & Alternativen
Pentacon-Objektive unterscheiden sich von westdeutschen Zeiss-Objektiven durch weniger aufwendige Vergütung und einfachere Mechanik bei identischer optischer Konstruktion. Im Vergleich zu modernen Zeiss CP.2 oder Cooke-Objektiven zeigen Pentacon-Linsen mehr chromatische Aberration und geringeren Kontrast. Als günstige Alternative zu Vintage-Zeiss-Objektiven bieten sie 80% der optischen Leistung bei 20% der Kosten. Für Produktionen mit kleinem Budget ersetzen sie teure Cine-Objektive, erfordern jedoch mehr Nachbearbeitung und präzisere Belichtung.