Sowjetisches 37mm Objektiv mit ausgeprägtem Bokeh und weicher Zeichnung — beliebtes Vintage-Objektiv für Porträts.
Technische Details
Die Mir-1B besitzt eine optische Konstruktion aus 8 Linsen in 6 Gruppen mit einer Naheinstellgrenze von 0,2 Metern. Der Filterdurchmesser beträgt 52mm, wobei aufgrund der stark gewölbten Frontlinse nur spezielle Adapterringe verwendbar sind. Das Objektiv wiegt 480 Gramm bei einer Baulänge von 65mm. Die Blendenreihe reicht von f/2.8 bis f/16 in halben Stufen, gesteuert über einen manuellen Blendenring ohne automatische Übertragung. Eine Besonderheit ist die feste Gegenlichtblende, die integral in das Objektivgehäuse eingearbeitet wurde.
Geschichte & Entwicklung
Das Arsenal-Werk in Kiew entwickelte die Mir-1B zwischen 1972-1975 als Weiterentwicklung der ursprünglichen Mir-1 aus dem Jahr 1967. Die Produktion lief bis 1992 mit geschätzten 15.000 hergestellten Exemplaren. Anders als westliche Fisheye-Objektive war die Mir-1B primär für wissenschaftliche Dokumentationen und Architekturaufnahmen konzipiert, fand aber durch Exportgeschäfte ab 1978 auch Eingang in westeuropäische Filmproduktionen. Nach 1991 gelangten größere Mengen auf den internationalen Markt.
Praxiseinsatz im Film
Die Mir-1B kam in Derek Jarmans "The Last of England" (1987) für Weitwinkel-Innenaufnahmen zum Einsatz und erzeugte die charakteristischen verzerrten Perspektiven in Bunkerszenen. Gaspar Noé verwendete das Objektiv in "I Stand Alone" (1998) für subjektive Kamerafahrten. Das Objektiv erfordert präzise Belichtungsmessung, da die gewölbte Frontlinse Streulicht verstärkt. Bei Blende f/5.6 erreicht es optimale Schärfeleistung, während f/2.8 für selektive Schärfe mit extremer Tiefenwirkung genutzt wird.
Vergleich & Alternativen
Gegenüber dem Nikon 16mm f/2.8 Fisheye bietet die Mir-1B weniger Transmissionsverlust, aber stärkere chromatische Aberration. Das Canon FD 15mm f/2.8 erzeugt kreisrunde Bildprojektion, während die Mir-1B das Vollformat ausfüllt. Moderne Alternativen wie das Sigma 15mm f/2.8 EX DG übertreffen sie in Kontrast und Farbwiedergabe, erreichen aber nicht die charakteristische "sowjetische" Bildästhetik mit ihren warmen Hauttönen und geringfügigen Vignettierungen.