Sowjetisches 20mm Ultra-Weitwinkelobjektiv mit extremer Verzeichnung — erzeugt markanten Fish-Eye-Effekt.
Technische Details
Die Mir-20 verfügt über eine Retrofokus-Konstruktion aus 9 Linsen in 7 Gruppen, die einen Bildwinkel von 94° bei Kleinbildformat abdeckt. Die Naheinstellgrenze liegt bei 0,18 Metern, der Filterdurchmesser beträgt 62mm. Das Objektiv wiegt 290 Gramm und misst 53mm in der Länge. Produziert wurde es in verschiedenen Ausführungen: frühe Versionen mit zebra-gestreiftem Fokusring, spätere mit schwarzer oder silberner Lackierung. Die Blende arbeitet mit einem Vorwahlring und schließt bis f/16.
Geschichte & Entwicklung
Das Mir-20 wurde ab 1971 im Arsenal-Werk in Kiew gefertigt, basierend auf Konstruktionsunterlagen des VEB Carl Zeiss Jena Flektogon 20mm f/4. Die sowjetische Variante wurde mit f/3.5 eine Blendenstufe lichtstärker ausgelegt. Bis in die späten 1980er Jahre entstanden mehrere Produktionsserien mit unterschiedlichen mechanischen Ausführungen. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion stellte Arsenal die Produktion 1991 ein.
Praxiseinsatz im Film
Sowjetische Kameraleute setzten die Mir-20 für dramatische Weitwinkelaufnahmen in Filmen wie "Stalker" (1979) von Andrei Tarkowski ein, wo sie die bedrückende Atmosphäre der Zone verstärkte. Die charakteristische Verzeichnung und der weiche Randabfall erzeugten einen unverwechselbaren Look, der heute als "Soviet Glass"-Ästhetik geschätzt wird. Moderne DoPs nutzen adaptierte Mir-20 an digitalen Kameras für Low-Budget-Produktionen, da sie trotz geringerer Schärfeleistung als moderne Objektive einen organischen, filmischen Charakter liefert.
Vergleich & Alternativen
Gegenüber dem ursprünglichen Zeiss Flektogon 20mm f/4 zeigt die Mir-20 durch die größere Blendenöffnung mehr chromatische Aberrationen, aber auch einen weicheren Bokeh-Verlauf. Heutige Alternativen wie das Canon EF 20mm f/2.8 oder Sigma 20mm f/1.4 Art bieten deutlich höhere optische Präzision, können aber den charakteristischen Vintage-Look der sowjetischen Linse nicht reproduzieren. Sammler schätzen frühe Mir-20-Exemplare für ihre mechanische Robustheit und den einzigartigen Rendering-Stil.
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