Technische Details
Die optische Konstruktion besteht aus drei sphärischen Linsenelementen in zwei Gruppen mit einer minimalen Fokussierungsdistanz von 1 Meter. Die Blendenöffnung variiert zwischen f/2.8 und f/22 über neun Lamellen. Das Filtergewinde misst 58mm, das Objektiv wiegt 765 Gramm bei einer Länge von 87mm. Verfügbar sind Anschlüsse für Canon EF, Nikon F, Sony E, Fujifilm X und Pentax K. Die Vergütung erfolgt mehrschichtig, wobei bewusst auf moderne Beschichtungen verzichtet wird, um den vintage Charakter zu erhalten.
Geschichte & Entwicklung
Hugo Meyer entwickelte das ursprüngliche Trioplan 1916 als kostengünstige Alternative zu komplexeren Anastigmat-Objektiven. Die 100mm-Version kam erstmals 1930 auf den Markt und wurde bis 1960 in Görlitz produziert. Nach der Übernahme durch Pentacon 1959 verschwand die Marke Meyer-Optik. 2014 erwarb eine deutsche Investorengruppe die Namensrechte, 2018 übernahm Meyer Optik Görlitz USA die Produktion. Die moderne Neuauflage folgt den optischen Kenndaten der historischen Vorlage.
Praxiseinsatz im Film
Das Trioplan 100 kommt vor allem bei Portraitaufnahmen und Close-ups zum Einsatz, bei denen das charakteristische Bokeh Teil der Bildaussage ist. Roger Deakins experimentierte mit historischen Trioplan-Objektiven für Traumsequenzen in "Blade Runner 2049". Die ringförmigen Unschärfekreise entstehen durch die einfache Linsenkonstruktion ohne Korrekturelement für sphärische Aberration. Bei Blende f/2.8 ist die Schärfentiefe minimal, bereits ab f/4 normalisiert sich das Bokeh. Focus Puller schätzen den linearen Fokusring mit 270° Drehwinkel und präzisem Widerstand.
Vergleich & Alternativen
Im Gegensatz zu modernen 100mm-Objektiven wie dem Canon CN-E 100mm T1.3 oder Zeiss CP.3 100mm T2.1 liefert das Trioplan deutlich weniger Schärfeleistung, dafür eine eigene, unverwechselbare Bildästhetik. Während Cinema-Objektive auf maximale optische Korrektur zielen, setzt das Trioplan bewusst optische "Fehler" als Gestaltungsmittel ein. Das Helios 44-2 58mm erzeugt ähnliche Bokeh-Effekte durch Swirling, das Trioplan bleibt kreisförmig. Für Portraitaufnahmen ohne diesen Effekt-Charakter sind moderne Alternativen technisch überlegen.