Gründungsdokument des Neuen Deutschen Films von 1962 — 26 Filmemacher erklärten den Papas-Kino für tot und forderten künstlerische Freiheit. Markiert den Bruch mit der Unterhaltungsindustrie.
1962, Oberhausen — 26 Filmemacher erklärten das Kino der großen Studios, der Schmachtfetzen und Heimatfilme für erledigt. Sie wollten anders arbeiten, nicht aus Trendbewusstsein, sondern weil das System sie erstickte. Das Manifest war kein theoretisches Papier für Seminare, sondern eine Kampfansage an die etablierte deutsche Filmindustrie, die damals noch glaubte, dass Zuschauer weiterhin für Melodramen zahlen würden.
Konkret bedeutete das Manifest: Schluss mit den Stars, den großen Sets, dem kommerziellen Schema. Die Unterzeichner — darunter Alexander Kluge, Rainer Werner Fassbinder, Volker Schlöndorff, Jean-Marie Straub — wollten zurück zu dem, was Film eigentlich konnte: Wirklichkeit zeigen, Fragen stellen, experimentieren. Sie forderten künstlerische Autonomie, Zugang zu Produktionsmitteln und das Recht, Filme zu machen, die nicht sofort Geld einbringen mussten. Für die BRD der 60er Jahre, in der noch der Wiederaufbau die Agenda bestimmte und Konsum als moralische Heilung galt, war das ein deutlicher Bruch mit den herrschenden Vorstellungen.
Für die Praxis am Set bedeutete das eine radikale Verlagerung: Statt teurer Studios ging man raus, drehte mit 16mm statt 35mm, arbeitete mit kleinen Crews, improvisierte. Die Montage wurde nicht mehr nur Handwerk, sondern künstlerisches Instrument — ähnlich wie in der Nouvelle Vague, aber mit deutschem Ernst und politischem Biss. Die Drehbücher orientierten sich an Literatur und sozialen Realitäten statt an Unterhaltungsformeln. Ein Kameramann, der nach 1962 im Neuen Deutschen Film arbeitete, musste umdenken: nicht mehr die schönste Einstellung, sondern die notwendige Einstellung.
Das Manifest selbst war kurz und präzise — kein langes Manifest-Geschwätz, sondern: Papas Kino ist tot. Wir brauchen künstlerische Freiheit. Gebt uns das Geld, dann zeigen wir euch, was möglich ist. Diese Haltung prägte das deutsche Filmschaffen für die nächsten 15 Jahre — von Kluge bis Fassbinder, von den frühen essayistischen Ansätzen bis zu den dokumentarischen Formen. Ohne Oberhausen gäbe es den Neuen Deutschen Film nicht, wie man ihn heute kennt.
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