Anamorphotes Weitwinkelobjektiv von Zeiss — flache 2,0er-Kompression, großes Bildfeld. Das Gegenteil des klassischen Anamorphoten: weiter, breiter, weniger Brennfleck-Drama.
Anamorphotes Weitwinkel ohne die klassische Quetschung mit engem Bildfeld? Der Hypergonar von Zeiss dreht die konventionelle Anamorphoten-Logik um. Statt eng und dramatisch sitzt hier eine 2,0er-Kompression in einem Gehäuse mit großzügigem Bildfeld und Brennweiten im Weitwinkelbereich. Das macht den Hypergonar zum Werkzeug für Setups, bei denen anamorphotische Ästhetik — flacher Bildraum, charakteristische Lens Flares, ovale Bokeh — mit räumlicher Ausdehnung kombiniert werden soll, ohne dass der Apparat sperrig wird.
Die praktische Relevanz liegt in der Balance: Klassische Anamorphoten wie die alte Panavision-Serie oder ältere Cooke-Anamorphoten zwingen in engere Brennweiten (50mm aufwärts) und damit in kompliziertere Lichtsetzungen auf engerem Set. Der Hypergonar ermöglicht mehr Umgebung im Bild, ohne auf das anamorphotische Licht- und Oberflächenverhalten zu verzichten. Das ist am Set Gold wert, wenn Räume klein sind oder dynamische Kamerabewegungen in breiter Szenerie gefragt sind. Die 2,0er-Kompression ist dezent genug, um subtil zu wirken; sie erzeugt nicht dieses extreme, filmische Dehnen des Bildraums wie eine 2,4er oder 2,55er Anamorphote, sondern eine elegantere Verzerrung, die Auge und Sensor nicht sofort dominiert.
Wichtig beim Einsatz: Der Hypergonar braucht Speicherlicht stärker als ein Standard-Anamorphot, weil die Glasmenge anders kalibriert ist. T-Stops sind höher, die Kalkulation ergibt mehr Dichteabbau als bei modernen Panavision-Sets. Dafür sitzt die Schärfe stabil, und die Randunschärfe — besonders bei Weitwinkelweite — hat eine organische Qualität, die sich im Farbgrading später zeigt: nicht hart, nicht digital. Der Hypergonar eignet sich weniger für klassische Porträts oder psychologische Close-ups (dafür sind engere Anamorphoten besser geeignet), sondern glänzt bei Establishing Shots, bei Handkamera-Arbeit in Innenräumen und bei Szenen, wo die Umgebung selbst Teil der anamorphotischen Erzählung sein soll.
Verwandte Begriffe
Quiz
1. Zu welchem Department gehört „Hypergonar"?