Filmgenre, das Handlung und Musik gleichberechtigt verbindet — Melodram mit ausgedehnten Gesang- und Tanzeinlagen. Vor allem in Spanien und Lateinamerika etabliert.
Die spanische Zarzuela brachte mit ihrer Mischung aus gesprochener Handlung, Gesang und Tanz ein Hybrid-Format ins Kino, das sich grundlegend vom klassischen Musical unterschied. Während Hollywood die Musik zur Unterbrechung der Narration nutzte, verschmolz der Zarzuela-Film beide Ebenen — die Geschichte spielte sich gleichzeitig musikalisch und dramatisch ab, ohne künstliche Schnitte zwischen Sprache und Lied. Das macht ihn am Set zu einer Herausforderung: Schauspieler mussten nicht nur spielen, sondern auch singen können, oft live. Die Kamera folgte diesen erweiterten Szenen mit längeren Takes, die der Theaterkonvention entsprachen.
Praktisch arbeitete man in diesen Produktionen — besonders in den 1930er und 1940er Jahren in Spanien und Mexiko — mit einem anderen Rhythmus als im dramatischen Kino. Die Montage war sparsamer, dafür umso präziser: Eine Gesangsszene erforderte oft eine einzige, gut positionierte Kamera, die Bewegung und Emotionalität in einer Einstellung festhielt. Beleuchtung musste nicht nur die Schauplätze ausleuchten, sondern auch den Sänger optimal in Szene setzen — ähnlich wie Bühnenlicht im Theater. Der Ton war elementar kritisch; eine schlecht aufgenommene Stimme ruinierte den ganzen Take. Deshalb wurden viele dieser Filme mit parallelem Dialog nachsynchronisiert, eine Praxis, die bis heute in Zarzuela-Adaptionen fortbestand.
Das Genre lebte von emotionalen Zuspitzungen des Melodrams, kombiniert mit einer starken volkstümlichen, oft sarkastischen oder humorvollen Tonalität. Die Themen kreisten um unerfüllte Liebe, soziale Ungerechtigkeit, städtisches Leben — getragen von eingängigen, volksnah komponierten Melodien. Im Gegensatz zum operetten-ähnlichen Musical lag die Musik hier näher an Folk und Populärkultur. Das machte den Zarzuela-Film für Massenaudienzen attraktiv, während er gleichzeitig künstlerisch ambitioniert bleiben konnte.
Nach dem Aufstieg des Hollywood-Musicals und später des freeren, experimentelleren Musik-Films verlor die Zarzuela an Gewicht, blieb aber in regionalen Produktionen lebendig. Für die Rekonstruktion dieser Filme am schneidetisch oder bei Restorations-arbeiten ist wichtig zu verstehen, dass Schnitte während Musiknummern fast tabù waren — die dramaturgische Spannung lag in der Kontinuität, nicht in der Montage-Dynamik.