Eine Einstellung, die den gesamten Körper einer Person oder einen großen Teil der Umgebung zeigt – Kontext und Raum.
Berühmte Beispiele · Totale / Wide Shot
Lawrence of Arabia
Freddie Youngs weitläufige Wüstenaufnahmen im Super-Panavision-70mm-Format machen die Totale zur philosophischen Aussage: Die winzige Figur Lawrences im endlosen Sand visualisiert Isolation und Größenwahn zugleich.
Once Upon a Time in the West
Tonino Delli Colli setzt die Totale im Wechselspiel mit extremen Nahaufnahmen ein – die weite Monument-Valley-Landschaft wird zur Bühne moralischer Konfrontation und gibt jedem Duell seine kosmische Dimension.
Blade Runner 2049
Roger Deakins nutzt konsequent extreme Totalen, um den Protagonisten K in zerfallenden Industrielandschaften und endlosen Ödnissen zu verorten – die Einstellungsgröße wird zur Aussage über menschliche Bedeutungslosigkeit in einer post-apokalyptischen Welt.
Nomadland
Joshua James Richards' naturalistische Totalen setzen Fern McDormands Figur in die weite amerikanische Landschaft und schaffen eine Balance zwischen Befreiung und Verlust, die den emotionalen Kern des Films trägt.
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Technische Details
Objektive zwischen 24-50mm (Vollformat) erzeugen typische Totalen, wobei 35mm als Standard-Brennweite gilt. Die Schärfentiefe liegt bei Blende f/5.6 und 3 Meter Motiventfernung zwischen 1,8 Meter und unendlich. Moderne Kinokameras wie die ARRI Alexa LF nutzen bei Totalen bevorzugt das 4.5K Open Gate Format (4448×3096 Pixel) für maximale Flexibilität im Postproduktions-Reframing. Drei Varianten dominieren: die Halbtotale (Medium Long Shot) mit 1/4 Bildhöhe Kopfanteil, die Amerikanische (Cowboy Shot) mit Anschnitt ab Hüfte und die Supertotale (Extreme Wide Shot) mit Kopfanteil unter 1/10 der Bildhöhe.
Geschichte & Entwicklung
D.W. Griffith etablierte 1915 in "The Birth of a Nation" die Totale systematisch als narrative Einstellung zur Raum-Zeit-Orientierung. Der Übergang vom Theater zum Film erforderte diese erweiterte Perspektive - während Theaterzuschauer stets die Totale sahen, ermöglichte die Kinokamera erstmals den bewussten Wechsel zwischen Einstellungsgrößen. Orson Welles perfektionierte 1941 in "Citizen Kane" die Tiefenschärfe-Totale mit 28mm-Objektiven und revolutionierte damit die räumliche Erzählweise. Die Steadicam erweiterte ab 1976 die Bewegungsmöglichkeiten der Totalen erheblich.
Praxiseinsatz im Film
Stanley Kubrick nutzte in "2001: A Space Odyssey" (1968) 50mm-Totalen für sterile Raumschiff-Interieurs, während Sergio Leone in "Spiel mir das Lied vom Tod" (1968) Supertotalen mit 200mm-Teleobjektiven komprimierte und Figuren gegen Monument Valley isolierte. Moderne Blockbuster wie "Mad Max: Fury Road" (2015) setzen auf 40mm-Totalen bei Actionsequenzen, da diese Brennweite Geschwindigkeit vermittelt ohne extreme Verzerrung. Die Totale ermöglicht komplexe Choreographien ohne Schnitt, erfordert jedoch präzise Beleuchtung großer Flächen und verlangt von Schauspielern physische Präzision.
Vergleich & Alternativen
Während die Halbtotale Emotionen noch transportiert, reduziert die Supertotale Figuren zu grafischen Elementen. Die Amerikanische fungiert als Kompromiss zwischen körperlicher Präsenz und Raumgefühl. Drohnenaufnahmen ersetzen zunehmend kostenintensive Kran-Totalen, wobei DJI Inspire 2 mit X7-Kamera vergleichbare Bildqualität zu 1/10 der Kosten traditioneller Technocrane-Setups liefert. Virtual Production Stages wie bei "The Mandalorian" eliminieren Location-Totalen durch LED-Volumes, wobei 20×15 Meter Bühnengröße Standard-Totalen ohne sichtbare Grenzen ermöglichen.