Filmlexikon.
Nassabzug / Immersionsabzug
Allgemein

Nassabzug / Immersionsabzug

Wet printing / Immersion printing
Murnau AI illustration
cinema auditorium cinematheque german association for youth and film

Fotochemisches Verfahren, bei dem Negativ und Positivfilm während des Abzugs in Flüssigkeit getaucht werden — reduziert Kratzer und Staub, verbessert Bildschärfe. Klassische Kinolabor-Technik für 35mm.

Beim Nassabzug taucht man Negativ und Positivfilm während der Belichtung in eine spezielle Flüssigkeit — meist destilliertes Wasser oder optische Flüssigkeiten mit ähnlichem Brechungsindex. Der physikalische Trick: Die Flüssigkeit füllt Kratzer, Staub und mikroskopische Unebenheiten in der Filmoberfläche aus und schafft damit eine optisch glatte Grenzfläche. Das Ergebnis ist messbar schärfer und kontrastfreier als beim trockenen Abzug, besonders bei älteren, bereits zerkratzten Negativen.

In der Praxis hat das Nassabzug-Verfahren vor allem bei der 35mm-Restaurierung seinen Platz behauptet — wenn man ein beschädigtes Archiv-Negativ digitalisiert oder für Kino-Kopien abzieht, lohnt sich der Aufwand. Der Labortechniker muss die Flüssigkeit genau dosieren und die Temperatur konstant halten, sonst entstehen neue Probleme: Blasen, ungleichmäßige Benetzung, thermische Verformung des Films. Bei modernen, sauberen Negativen bringt Nassabzug kaum noch Vorteil — digitale Intermediate-Schritte haben vieles obsolet gemacht. Aber für echte Filmvorlagen, die 50 Jahre ungeschützt gelagert wurden, ist es immer noch der Standard im hochwertigen Kinolabor.

Technisch relevant ist auch die Wahl der Immersionsflüssigkeit selbst. Ihr Brechungsindex muss dem von Celluloseacetat nahe kommen (n ≈ 1,48–1,50), sonst entstehen optische Verzerrungen. Zudem darf sie nicht in den Film eindringen oder ihn aufquellen — deshalb keine reinen Öle, sondern stabilisierte Spezialflüssigkeiten. Nach dem Abzug muss der Film sofort wieder getrocknet werden, was bei langen Rollen im Labor auch eine Trocknungsstation mit kontrollierten Bedingungen verlangt.

Heute findet man Nassabzug hauptsächlich noch bei Filmarchiven und Spezial-Laboren für 35mm und 16mm. Bei DCP-Erstellung oder Video-Digitalisierung hat sich die Technik erübrigt — aber wer noch physische Kopien für Kinos herstellt oder alte Bestände wissenschaftlich sichert, kommt oft nicht um diese bewährte Methode herum. Sie ist ein Relikt der klassischen Photochemie, das seine Nische behalten hat.

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