Konstruiert und montiert Bühnensätze nach Entwürfen des Production Designers — vom Rahmen bis zur letzten Paneele. On set der technische Arm der Art Department.
Der Kulissenbauer — im Englischen set builder oder scenic carpenter — konstruiert und installiert Filmsets nach den Bauplänen des Szenenbildners und unter der Aufsicht des Construction Coordinator. Während der Szenenbildner entwirft (Stimmungen, Farben, Räume) und der Art Director die Pläne technisch detailliert, setzt der Kulissenbauer die physische Konstruktion um: Er zimmert Wände, Podeste, eingebaute Regale und ganze Raumfluchten. Im Gegensatz zum Theater-Bühnenbildner arbeitet er nicht für eine fixe Bühnenperspektive, sondern für eine Kamera, die sich durch den Raum bewegt — jede Wand muss von mindestens zwei Seiten fototauglich sein.
Vom Bauplan zum drehfertigen Set
Der Workflow beginnt mit blueprints des Art Departments: maßstabsgetreue Pläne mit genauen Abmessungen, Materialvorgaben („Gipskarton auf 6×4-cm-Konstruktionsholz"), Oberflächen-Finishes und tragenden Elementen. In der construction mill — oft eine angemietete Halle — werden die flats (Wandelemente) vorgefertigt: Holzrahmen mit Gipskarton- oder Sperrholzbeplankung, genormt auf 1,22 × 2,44 Meter (Standard-Plattenmaß). Dann folgt der Transport zum Set (Studio oder Location) und die Endmontage. Wild walls (bewegliche Wände auf Rollen) ermöglichen der Kamera Rückzugsraum; ceiling pieces (abnehmbare Deckenelemente) erlauben Oberlicht-Setups. Nach Drehschluss wird das Set entweder abgerissen (strike) oder für Nachdrehs eingelagert.
Materialkunde und Budget-Realität
Kulissenbauer arbeiten mit derselben Materialpalette wie der Trockenbau, aber mit kürzeren Haltbarkeitsanforderungen: Ein Set muss 2–6 Wochen stehen, nicht 20 Jahre. Das senkt die Materialkosten, erhöht aber die Geschwindigkeitsanforderungen — quick and dirty ist legitim, solange es vor der Kamera „teuer" aussieht. Standard-Tricks: PU-Schaum als Steinfassade bemalt (täuscht Sandstein vor), Latexfarbe auf Sperrholz als Marmorimitat, Tapeten mit Architektur-Perspektive als Tiefenillusion. Ein erfahrener Kulissenbauer weiß, dass die Kamera nur einen Ausschnitt sieht: Die linke Wand muss perfekt sein, die rechte (nie im Bild) kann aus rohem OSB bestehen. Bei Low-Budget-Produktionen ist der Kulissenbauer oft auch Maler, Tapezierer und Möbelrücker in einer Person.
Abgrenzung zu anderen Gewerken
Der Kulissenbauer ist nicht der Szenenbildner (der entwirft), nicht der Requisiteur (der stellt bewegliche Gegenstände), nicht der standby carpenter (der während des Drehs schnelle Reparaturen ausführt), und nicht der dresser (der das Set mit Vorhängen, Bildern und Dekoration ausstattet). An kleinen Sets verschwimmen diese Grenzen; an großen Studio-Produktionen sind es strikt getrennte Departments. Typische Werkzeuge: Akkuschrauber, Tischkreissäge, Druckluftnagler, Wasserwaage, Gipskartonspachtel. Der Kulissenbauer ist der einzige am Set, der morgens im Blaumann erscheint und abends mit Staub auf den Schultern geht — und dessen Arbeit trotzdem nie im Abspann als Einzelleistung auftaucht.
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