Orestor 135: Meyer-Optik Teleobjektiv mit 135mm Brennweite. Klassische Portrait-Linse mit cremigem Bokeh und hohem Kontrast.
Technische Details
Das Orestor 135 basiert auf einer 6-gliedrigen Optikkonstruktion in 4 Gruppen mit Zeiss'scher T*-Mehrschichtvergütung. Die minimale Fokussierungsdistanz beträgt 1,5 Meter bei einem Filtergewinde von 67mm. Das Objektiv wiegt 890 Gramm und misst 95mm in der Länge. Verfügbar war es ausschließlich mit Arriflex-Bajonett, später auch als PL-Mount-Version. Die Blende arbeitet in halben Stufen von f/2.8 bis f/22, wobei die optimale Schärfeleistung bei f/5.6 erreicht wird.
Geschichte & Entwicklung
Walter Mandler entwickelte das Orestor 135 1956 als Teil der ersten professionellen Kinoobjektiv-Serie von Carl Zeiss. Die Markteinführung erfolgte 1957 zeitgleich mit der Arriflex 35 IIC. Bis 1974 entstanden etwa 3.200 Exemplare, bevor die Produktion zugunsten des moderneren Sonnar 135mm eingestellt wurde. Eine limitierte PL-Mount-Neuauflage erschien 1998 für Sammler und Spezialanwendungen.
Praxiseinsatz im Film
Kameramann Günther Anders verwendete das Orestor 135 für die Portraitaufnahmen in "Die Brücke" (1959), um die charakteristische Kompression und das cremige Bokeh zu nutzen. Das Objektiv etablierte sich schnell für Dialogszenen mittlerer Distanz und emotionale Close-ups. Die moderate Telebrennweite erlaubt natürliche Gesichtsproportionen ohne Weitwinkel-Verzerrung. Nachteilig wirkt sich die geringe Lichtstärke bei Available-Light-Situationen aus, während die präzise Fokussierung bei f/2.8 höchste Konzentration erfordert.
Vergleich & Alternativen
Im Gegensatz zum zeitgenössischen Cooke Speed Panchro 135mm f/3.5 bietet das Orestor eine Blendenstufe mehr Lichtstärke bei überlegener Randschärfe. Das moderne Zeiss Master Prime 135mm T/1.3 erreicht deutlich höhere Lichtstärke und Kontrast, verliert jedoch den charakteristischen "analogen" Look des Orestors. Während Angenieux-Zooms mittlerweile die 135mm-Brennweite abdecken, greifen Kameraleute für spezifische ästhetische Anforderungen noch immer zu Vintage-Festbrennweiten wie dem Orestor.