Moderne Neuauflage historischer Petzval-Objektive — charakteristisches Swirl-Bokeh durch sphärische Aberration am Bildrand.
Technische Details
Das Lomography Petzval 58mm f/1.9 besitzt eine Naheinstellgrenze von 0,68m und wiegt 520g bei Abmessungen von 83×110mm. Die optische Konstruktion folgt dem historischen Vorbild mit vier Linsen in drei Gruppen, wodurch sich das charakteristische 44-Grad-Sichtfeld mit scharfem Zentrum und kreisförmiger Vignettierung ergibt. Verfügbar sind Anschlüsse für Canon EF, Nikon F, Pentax K und Sony E-Mount. Das 85mm f/2.2 Modell misst 95×116mm bei 580g Gewicht und einer Naheinstellgrenze von 0,85m. Beide Objektive verzichten bewusst auf moderne Vergütungen und automatische Funktionen, um den historischen Look zu bewahren.
Geschichte & Entwicklung
Joseph Petzval entwickelte 1840 das erste mathematisch berechnete Objektiv der Fotografiegeschichte für das Wiener Optikhaus Voigtländer. Das ursprüngliche Petzval-Objektiv revolutionierte die Porträtfotografie durch seine Lichtstärke von f/3.6 – 16-mal schneller als zeitgenössische Alternativen. Lomography startete 2013 eine Kickstarter-Kampagne und sammelte 1,2 Millionen Dollar für die Neuauflage. 2014 folgte das 85mm-Modell, 2019 erweiterte Lomography die Serie um spezielle Art-Lens-Versionen mit austauschbaren Blendenplatten.
Praxiseinsatz im Film
Das Lomography Petzval erzeugt ein Bokeh mit charakteristischen "Soap Bubble"-Strukturen und starker Randabdunklung, die besonders bei Nahaufnahmen dramatische Isolationseffekte schaffen. Die Bildschärfe konzentriert sich auf einen kreisförmigen Bereich von etwa 25% der Bildfläche. Cinematographer verwenden das Objektiv für Traumsequenzen, Flashbacks oder emotionale Höhepunkte, da die optischen Eigenschaften eine unwirkliche, nostalgische Atmosphäre erzeugen. Die fehlende Entfernungsanzeige erfordert präzises Follow Focus und externe Maßbänder, was den Workflow verlangsamt aber die handwerkliche Präzision fördert.
Vergleich & Alternativen
Anders als moderne Lensbaby-Systeme oder Tilt-Shift-Objektive erzeugt das Petzval ausschließlich kreisförmige Unschärfeverteilungen ohne perspektivische Verzerrungen. Historische Petzval-Objektive von Herstellern wie Dallmeyer oder Voigtländer kosten als Sammlerobjekte oft über 5.000 Euro, während das Lomography-Modell bei 450 Euro liegt. Für vergleichbare Bokeh-Effekte ohne Randabdunklung eignen sich Helios 44-2 (58mm f/2) oder das Meyer-Optik Trioplan 100mm f/2.8, die jedoch andere Charakteristiken in der Unschärfezeichnung aufweisen.
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