Premium-Objektivserie von Kowa mit fluorit-ähnlichen Glaselementen für maximale Schärfe und Farbgenauigkeit.
Technische Details
Kowa Prominar-Objektive arbeiten mit einem Squeeze-Faktor von 2,0x und decken Brennweiten von 40mm bis 200mm ab. Die Konstruktion basiert auf einem sphärischen Grundobjektiv mit vorgesetzten zylindrischen Elementen zur horizontalen Kompression. Typische Lichtstärken liegen zwischen f/2.8 und f/4.0. Die Objektive verwenden einen speziellen Kowa-Bajonettanschluss, der später durch Adapter für Standard-Kamerasysteme erweitert wurde. Die optische Konstruktion umfasst 12-16 Linsenelemente in 8-10 Gruppen, wobei die zylindrischen Elemente aus speziell geschliffenem optischen Glas bestehen.
Das charakteristische Bokeh entsteht durch die ovale Verformung von Lichtquellen im Unschärfebereich. Horizontale blaue Streaks (Anamorphic Flares) treten bei starken Lichtquellen auf und werden durch die zylindrische Optik verursacht.
Geschichte & Entwicklung
Kowa entwickelte die ersten Prominar-Objektive 1954 als Antwort auf 20th Century Fox' Cinemascope-System. Das Unternehmen, ursprünglich Spezialist für Ferngläser und Teleskope, nutzte seine Expertise in der Präzisionsoptik für den Filmmarkt. 1958 führte Kowa die Serie 8Z ein, die speziell für Panavision-Kameras adaptiert wurde.
Die Produktion endete 1982, als elektronische Bildverarbeitung und moderne Objektivkonstruktionen die mechanische Anamorphose verdrängten. Heute gelten Kowa Prominar-Objektive als begehrte Vintage-Optiken für charakteristische Cinemascope-Looks.
Praxiseinsatz im Film
Sergio Leone verwendete Kowa Prominar-Objektive für seine Westernfilme der 1960er Jahre, darunter "Für eine Handvoll Dollar" (1964). Die Objektive ermöglichten extreme Weitwinkelaufnahmen mit charakteristischer Verzerrung an den Bildrändern. Akira Kurosawa setzte 200mm-Prominar-Objektive für Teleaufnahmen in "Kagemusha" (1980) ein.
Der Workflow erfordert präzise Kalibrierung, da unterschiedliche Brennweiten verschiedene Verzeichnungscharakteristiken aufweisen. Die Schärfeneinstellung erfolgt am sphärischen Grundobjektiv, während die anamorphotischen Elemente fest justiert bleiben.
Vergleich & Alternativen
Kowa Prominar-Objektive unterscheiden sich von Panavision Anamorphic-Objektiven durch stärkere chromatische Aberrationen und weniger gleichmäßige Ausleuchtung. Gegenüber Isco Ultra Star-Objektiven bieten sie weichere Übergänge im Bokeh, aber geringere Schärfe in den Bildecken.
Moderne Alternativen wie Cooke Anamorphic/i oder ARRI Master Anamorphic erreichen höhere optische Präzision, verzichten aber auf die charakteristischen Abbildungsfehler der Vintage-Optiken. Für authentische Cinemascope-Ästhetik bleiben Kowa Prominar-Objektive unersetzt.