Vordergrund von Hintergrund trennen — meist Greenscreen, dann die grüne Farbe rausgekeyt und neuer BG einkomponiert. Im Schnitt oder live auf Kamera.
Du sitzt vor der Grading-Suite und der Cutter zeigt dir die erste Rohfassung: Schauspieler steht vor grünem Tuch, dahinter soll eine gotische Kathedrale sein. Das grüne Tuch verschwindet, die Kathedrale kommt rein — das ist Keying. Es ist der prozessuale Kern von Compositing: du trennst eine Farbe oder einen Helligkeitswert aus dem Bild und machst diese Fläche transparent, damit darunter oder dahinter etwas anderes erscheint.
In der Praxis funktioniert das so: Du hast eine saubere grüne oder blaue Wand (Greenscreen/Bluescreen) hinter deinem Motiv. Der Key-Effekt im NLE oder Compositing-Programm — ob DaVinci, Nuke oder After Effects — identifiziert diese Farbe pixel-genau und weist ihr einen Alpha-Kanal (Transparenz) zu. Dabei spielen Schwellenwert und Feathering eine Rolle: Zu scharf gekeyt, sehen die Kanten wie Papierausschnitte aus. Zu weich, verlierst du Details in den Haaren oder an dünnen Objekten. Der Trick ist immer, im Keying selbst nicht zu aggressiv zu werden — besser später noch im Roto nacharbeiten als mit den Haaren des Schauspielers auch die halbe Stirn transparent zu machen.
Die praktischen Varianten: Der chromakey arbeitet mit Farbe (grün oder blau) und ist Standard bei Studioaufnahmen. Der Luminance-Key trennt nach Helligkeit — nützlich, wenn du vor schwarzem Hintergrund drehst oder eine Explosion freistellen willst. Beim Difference-Matte vergleicht man zwei Aufnahmen (eine ohne, eine mit Objekt) und isoliert die Differenz. Im Live-Fernsehen, bei Wettervorhersagen oder Talk-Shows, rennt das Keying in Echtzeit — da muss die Hardware-Lösung tausendmal pro Sekunde treffen, sonst flimmert und sieht aus wie die 90er.
Am Set selbst brauchst du stabiles Licht auf dem Greenscreen: keine Falten im Stoff, keine Hot-Spots, durchgehend gleichmäßig beleuchtet. Abstand zwischen Schauspieler und Screen hilft, Spill (das Grün, das vom Screen auf den Schauspieler zurückreflektiert) zu minimieren. Im Schnitt: Wenn dein Key nicht sauber sitzt, sind Despill-Tools dein zweites Werkzeug — sie entfernen den grünen/blauen Hauch, der trotzdem noch an den Rändern klebt. Und der neue Hintergrund muss in Schärfe, Perspektive und vor allem in der Beleuchtung zum freigestellten Motiv passen — sonst sieht das Composite aus wie eine Fotomontage aus dem Jahr 2003.