Inhalte für Flugzeugbildschirme — spezieller Schnitt ohne längere Schwarzflächen, komprimiertes Sounddesign. Format 4:3 oder 2,35:1 je nach Flugzeugtyp.
Für Flugzeugbildschirme schneidest du anders als für jeden anderen Output. Nicht weil die Zuschauer weniger anspruchsvoll sind — sondern weil die technischen und psychologischen Bedingungen radikal andere sind. Ein Passagier sitzt 11 Stunden in einem dunklen Kabin mit Kopfhörer-Audio, das über Kompression läuft, während neben ihm drei weitere Menschen in einem 45-Zentimeter-Sektor sitzen. Das bestimmt jede Schnitt-Entscheidung.
Die Bildformate sind das erste Problem: Ältere Flugzeuge fahren noch 4:3, moderne nutzen 16:9, manche Business-Klasse-Systeme zeigen 2,35:1-Material. Du schneidest daher grundsätzlich für mehrere Formate gleichzeitig oder lieferst Versionen — Pillarbox ist dabei akzeptabel, Letterbox eher nicht, weil die schwarzen Flächen an den Seiten oder oben/unten das kleine Display optisch erdrücken. Ein Schnitt muss auf allen drei Formaten funktionieren, ohne dass der Zuschauer das Gefühl hat, etwas zu verpassen.
Sounddesign wird aggressiv komprimiert. Die Bordanlage hat geringe Bitrate, Nebengeräusche sind ständig präsent (Motor, Druck-Ausgleich). Du vermeidest daher subtile Ambient-Schichten, sehr laute Peaks und lange Stille — Stille wirkt auf dem kleinen Screen mit schlechtem Audio wie ein technischer Fehler. Die Dynamik muss flacher sein, die Präsenz der Stimme höher. Ein Sound-Mix für Kino funktioniert hier nicht.
Schnittrhythmus ist entscheidend: Lange Schwarzflächen — selbst wenige Sekunden zwischen Szenen — ermüden das Auge zusätzlich. Du arbeitest mit Übergängen, Überblendungen, hältst den Cut-Flow konstant. Stille oder leere Frames erzeugen Unbehagen in diesem Medium, weil der Zuschauer seine Aufmerksamkeit nicht halten kann und den Bildschirm ausschaltet. Das ist der größte Kill einer Inflight-Version: Zuschauer-Abbruch durch Langeweile oder vermeintliche Störung.
Länge spielt eine untergeordnete Rolle — manche Flüge sind 14+ Stunden, also brauchst du Puffer. Aber jede Minute zählt für Speicher und Streamen. Kompression ist hier nicht nur Sound-Post, sondern auch Video-Codec-Arbeit. Du sprichst mit deinem DCP-Haus und deinem Distributor früh ab, ob H.264, H.265 oder proprietäre Formate der Airline verlangt werden.
Praktisch: Liefere immer eine Inflight-Version erst nach Picture Lock der Kino-Fassung, nicht parallel. Die Änderungen sind zu massiv — Bildformat, Schnitt-Pausen, Audio-Mixing. Es ist ein vollwertiger Re-Cut, nicht einfach eine Downres des DCP.