Sowjetisches 50mm f/2,8-Objektiv — Tessar-Konstruktion mit M42-Anschluss, vielfach produzierte Standard-Brennweite der UdSSR.
Technische Details
Das Industar-61 verfügt über eine Tessar-Konstruktion mit vier Linsen in drei Gruppen, eine Brennweite von 52,4mm und Blendenwerte von f/2.8 bis f/16. Das Objektiv wiegt 105 Gramm, misst 44mm in der Länge und besitzt einen Filterdurchmesser von 40,5mm. Die Naheinstellgrenze liegt bei 1,2 Metern. Zwei Hauptvarianten existieren: das Industar-61 L/Z mit Leica-M39-Schraubgewinde (Zorki/FED-Mount) und das Industar-61 L/D mit M42-Anschluss. Die Blendenlamellen bestehen aus Messing, die Vergütung erfolgte ab 1970 mehrschichtig.
Geschichte & Entwicklung
Die Entwicklung begann 1961 als Nachfolger des Industar-50. Chefkonstrukteur D.S. Volosov optimierte das Carl Zeiss Tessar-Design für die Massenfertigung sowjetischer Sucherkameras. 1963 startete die Serienproduktion, parallel zur Einführung der FED-3. Ab 1973 erfolgte die Produktion auch für Export-Kameras mit verbesserter Qualitätskontrolle. Das letzte Industar-61 verließ 1992 das Werk, zeitgleich mit dem Ende der sowjetischen Kameraindustrie.
Praxiseinsatz im Film
Sowjetische Dokumentarfilmer und Kriegsberichterstatter nutzten das Industar-61 aufgrund seiner Robustheit und kompakten Bauweise. Die moderate Lichtstärke von f/2.8 erzeugt bei Offenblende einen charakteristischen Vintage-Look mit weicher Randschärfe und dezenten Farbverschiebungen. Moderne Filmemacher adaptieren es über M39-L-Mount-Adapter an digitale Kameras für authentische Retro-Ästhetik. Die geringe Naheinstellgrenze begrenzt Close-Up-Aufnahmen, während die durchgängige Schärfe ab f/5.6 Landschaftsaufnahmen und Establishing Shots begünstigt.
Vergleich & Alternativen
Gegenüber dem teureren Summicron 50mm f/2 von Leica bietet das Industar-61 ähnliche Bildqualität bei deutlich geringeren Kosten. Das zeitgleich produzierte Jupiter-8 50mm f/2 liefert eine Blende mehr Lichtstärke, zeigt jedoch stärkere Aberrationen. Moderne Alternativen wie das Voigtländer Color-Skopar 50mm f/2.5 bieten bessere Vergütung und Auflösung, verlieren jedoch den charakteristischen sowjetischen Bildlook. Für Vintage-Cinematographie bleibt das Industar-61 konkurrenzlos, während für professionelle Produktionen zeitgenössische Objektive vorzuziehen sind.
Verwandte Begriffe
Fehler melden
Deine Meldung ist eingegangen und wird redaktionell geprüft.