Sowjetisches 50mm f/3,5-Objektiv von KMZ — kompakte Tessar-Bauweise für Kleinbildkameras, heute beliebtes Vintage-Objektiv.
Technische Details
Die optische Konstruktion folgt dem klassischen Tessar-Schema: eine positive Frontlinse, eine negative Meniskuslinse, gefolgt von einem verkitteten Doublett aus positiver und negativer Linse. Das Objektiv wiegt 150 Gramm bei einer Länge von 39mm und einem Filterdurchmesser von 40,5mm. Die 6-blättrige Irisblende ermöglicht Blendenwerte von f/3,5 bis f/16. Drei Hauptvarianten existierten: die frühe Version mit verchromtem Messingtubus, die Standard-Aluminiumversion und die späte schwarz eloxierte Variante. Die Vergütung erfolgte zunächst einfach, ab den 1960ern mehrschichtig.
Geschichte & Entwicklung
KMZ führte das Industar-22 1948 als Standardobjektiv für die Zorki-Kameras ein, basierend auf der deutschen Tessar-Lizenz von Carl Zeiss. Bis 1955 entstanden etwa 400.000 Exemplaren in der verchromten Erstversion. Die Aluminiumversion (1955-1978) erreichte eine Produktionszahl von über 2 Millionen Stück. Die finale schwarz eloxierte Variante (1978-1992) markierte das Ende der analogen Ära bei KMZ mit weiteren 800.000 produzierten Objektiven.
Praxiseinsatz im Film
Sowjetische Dokumentarfilmer nutzten das Industar-22 extensiv für Reportageaufnahmen, da es kompakt und robust konstruiert war. Die moderate Lichtstärke von f/3,5 erforderte bei Available-Light-Situationen höhere Filmempfindlichkeiten oder zusätzliche Beleuchtung. Das Objektiv erzeugt bei Offenblende eine charakteristische Vignettierung und leichte Unschärfe in den Bildecken, die ab f/5,6 deutlich abnehmen. Moderne Filmemacher schätzen den vintage Look mit warmer Farbwiedergabe und sanftem Kontrast für Period Pieces oder Indie-Produktionen.
Vergleich & Alternativen
Gegenüber dem zeitgenössischen Zeiss Tessar 50mm f/2,8 zeigt das Industar-22 eine Blende weniger Lichtstärke, kostet aber deutlich weniger. Das Jupiter-8 50mm f/2 aus derselben Produktionsperiode bietet mehr Lichtstärke bei ähnlicher optischer Qualität. Moderne Alternativen wie das Voigtländer Color-Skopar 50mm f/2,5 oder das Zeiss ZM Planar 50mm f/2 übertreffen die sowjetische Optik in Schärfe und Kontrast, vermitteln aber nicht den charakteristischen analogen Look der Nachkriegszeit.
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