KI-generierte oder visuelle Fehlartefakte — wenn Algorithmen Bilddetails erfinden, die nicht existieren. Besonders bei Upscaling und Frame Interpolation ein Problem.
Algorithmen erfinden Details, die nie gefilmt wurden — das ist das Kernproblem beim modernen Upscaling und bei der Frame Interpolation. Eine Halluzination entsteht, wenn KI-Modelle, trainiert auf Millionen von Bildern, bei unvollständigen oder mehrdeutigen Eingaben einfach plausibel wirkende Pixel hinzufügen. Der Computer «sieht» da etwas, was der Kameramann gar nicht vor der Linse hatte.
In der Praxis passiert das ständig: Du upscalest 2K-Material auf 4K, und plötzlich haben Häuser im Hintergrund Fenster, die nie existierten. Bei der Frame Interpolation — also dem Berechnen von Zwischenbildern für Slow-Motion — werden Bewegungsabläufe erfunden, die biomechanisch falsch sind. Eine Hand bewegt sich über einen Tisch, und der Algorithmus fabriziert aus dem unscharfen Input heraus Finger in unmöglichen Positionen. Das ist nicht einfach Unschärfe oder Rauschen — es ist aktive Erfindung.
Der Grund liegt in der statistischen Natur neuronaler Netze: Sie lernen Wahrscheinlichkeitsverteilungen, nicht exakte Abbildungen. Wenn dem Modell die Information zu gering auflösend oder mehrdeutig ist, wählt es die «wahrscheinlichste» Lösung — und die ist oft plausibel genug, um nicht sofort als Fehler aufzufallen. Besonders problematisch wird es bei extremem Upscaling (4:1-Faktor und höher), bei schnellen Bewegungen oder bei Strukturen, die der Trainingsdatensatz nur selten gesehen hat. Ein Detail im Gesicht, ein Schriftzug auf einem Schild, Reflexionen in Glas — all das kann halluziniert werden.
Am Set und im Schnitt brauchst du ein Auge dafür: Vertraue nicht blind auf automatische Upscaling-Tools. Vergleiche Original und Ergebnis seitenweise, besonders in Details, die narrativ nicht wichtig sind (dort fallen erfundene Artefakte weniger auf). Manche Projekte fahren besser mit nativem Drehen in der höheren Auflösung als mit nachgelagertem Processing. Bei Frame Interpolation ist es ähnlich — die Bewegungsberechnung kann noch so clever sein, ohne das Original-Material bleibt sie spekulativ. Für kritische Shots, bei denen Glaubwürdigkeit zählt, führt kein Weg an klassischer Interpolation oder Neu-Drehen vorbei.