Französisches Mehrschicht-Farbnegativ (1950er), auch "Gevacolor" genannt. Konkurrenz zu Eastmancolor — flächiger, weniger Farbstabilität, wurde Ende 50er verdrängt.
In den frühen 1950er Jahren betrat Gaumont mit seinem Farbnegativfilm den Markt, um Eastmancolor Konkurrenz zu machen. Das System basierte auf einer Mehrschicht-Konstruktion ähnlich wie die amerikanische Lösung, erreichte aber nie dieselbe Stabilität oder Akzeptanz in der Industrie. Der Film wurde unter verschiedenen Markennamen vertrieben — Gaumontcolor war die französische Bezeichnung, während dasselbe Material in anderen Märkten als Gevacolor bekannt war. Die chemische Basis stammte aus belgischer Entwicklung (Gevaert), wurde aber von Gaumont lizenziert und vertrieben.
Praktisch am Set unterschied sich Gaumontcolor deutlich vom Eastmancolor: Die Farbwiedergabe wirkte flächiger, weniger differenziert in den Mitteltönen. Besonders Hautfarben zeigten eine Neigung zu flachen, manchmal leicht grünstichigen Darstellungen — ein Problem, das Kameramänner durch Filterung und Belichtungsanpassung kompensieren mussten. Die Körnung war feiner als bei zeitgenössischen Eastmancolor-Emulsionen, dafür aber die Farbsättigung weniger präzise zu steuern. Licht-und-Schatten-Verhältnisse brauchten sorgfältigere Belichtungsmessung; der Film tolerierte Überbelichtung schlechter als die amerikanische Konkurrenz.
Im Labor zeigte sich schnell das Kernproblem: Langzeitstabilität. Bereits in den späten 1950ern berichteten Archive und Filmverleihe von Farbstichen und Ausbleichung bei Gaumontcolor-Materialien — deutlich stärker als bei Eastmancolor. Dies war der entscheidende Grund, warum sich das System nicht durchsetzte. Produzenten wollten ihre teuren Filme nicht in wenigen Jahrzehnten verfärbt sehen. Der technologische Vorsprung der Kodak-Emulsion — stabilere Farbstoffe, bessere Lagerfähigkeit — war einfach zu groß.
Heute interessieren sich Archivare und Restauratoren für Gaumontcolor-Material hauptsächlich aus historischen Gründen. Einige französische und europäische Produktionen der 1950er Jahre basierten darauf. Die Digitalisierung solcher Archive erfordert spezielle Farbkorrekturen, da die charakteristische Farbabweichung des Materials korrigiert werden muss — ein zusätzlicher Arbeitsschritt, der bei Eastmancolor-Originalnegativen dieser Ära deutlich geringer ausfällt. Als technologische Episode markiert Gaumontcolor das Ende einer europäischen Eigenständigkeit in der Farbnegativ-Industrie; danach dominierte Kodak unangefochten das Feld.