Geplante Bewegungsabläufe von Schauspielern, Komparsen oder Objekten im Bild. Umfasst Tanz, Kampfszenen und komplexe Gruppenbewegungen.
Technische Details
Die choreografische Notation erfolgt über Ground Plans mit Rastermessungen (üblicherweise 1:50 Maßstab), in denen Bewegungslinien, Stopppunkte und Blickrichtungen eingezeichnet werden. Für Kampfszenen beträgt der Standardsicherheitsabstand zwischen Akteuren mindestens 15 cm bei simulierten Schlägen. Tanzchoreografien werden in 8-Count-Strukturen (32 Beats pro Phrase) organisiert, während Actionsequenzen häufig in 4/4-Takten rhythmisiert werden. Die Laufwege werden mittels Markierungen (Tape Marks) am Boden fixiert, wobei T-förmige Markierungen für Stopppositionen und Pfeile für Bewegungsrichtungen verwendet werden.
Geschichte & Entwicklung
Die erste dokumentierte Filmchoreografie entstand 1895 in den Lumière-Aufnahmen, wo Arbeiter bewusst für die Kamera positioniert wurden. Busby Berkeley revolutionierte 1933 mit "42nd Street" die Kamerachoreografie durch geometrische Formationen von bis zu 200 Tänzerinnen. Stanley Kubrick etablierte 1975 mit "Barry Lyndon" die präzise Notation von Kamerabewegungen im Verhältnis zu Schauspielerbewegungen über Szenenzeiten von bis zu 3 Minuten ohne Schnitt. Die Digitalisierung seit den 1990er Jahren ermöglicht Pre-Visualization-Software wie Maya oder FrameForge zur dreidimensionalen Bewegungsplanung.
Praxiseinsatz im Film
In "Goodfellas" (1990) choreografierte Scorsese die berühmte Copacabana-Einstellung über 184 Sekunden mit 47 verschiedenen Schauspielerpositionen. Actionfilme wie "John Wick" (2014) verwenden Fight Choreography mit durchschnittlich 15 Bewegungen pro 10-Sekunden-Sequenz. Bei Musicalverfilmungen werden Playback-Geschwindigkeiten von 23,976 fps exakt auf Choreografierhythmus abgestimmt. Der Workflow umfasst: Blocking-Proben (2-3 Tage), Marking-Durchläufe (1 Tag), Full-Intensity-Proben vor Drehbeginn.
Vergleich & Alternativen
Choreografie unterscheidet sich von Blocking durch ihre rhythmische Komponente und präzise Timing-Struktur. Während Blocking Grundpositionen festlegt, definiert Choreografie die exakte Bewegungsdynamik. Stunt Coordination fokussiert auf Sicherheitsaspekte bei risikoreichen Bewegungen. Motion Capture ersetzt seit den 2000ern traditionelle Choreografie-Notation bei VFX-intensiven Produktionen, erfordert jedoch weiterhin choreografische Grundplanung für die Referenz-Performance der Darsteller.
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