Erotischer oder pornografischer Film — in Großbritannien und Australien bis 1980er als Sprachkonvention für diese Genre-Bezeichnung. Historischer, inzwischen veralteter Fachbegriff.
Der Begriff Blue Movie — wörtlich „blauer Film" — bezeichnete im britischen und australischen Sprachraum bis in die 1980er Jahre pornografische oder stark erotische Filmproduktionen. Der Ausdruck leitet sich vermutlich von der blaustichigen Farbwiedergabe früher Schmalfilmkopien ab, die in privaten Vorführungen zirkulierten, oder von den blauen Umschlägen, in denen entsprechende Magazine und Videokassetten vertrieben wurden. Heute ist der Begriff im professionellen Filmvokabular weitgehend verschwunden und durch präzisere Genre-Bezeichnungen ersetzt.
Herkunft und Verbreitung
In Großbritannien war blue movie ein gängiger Euphemismus der Nachkriegszeit, als die Zensur noch strikt zwischen „Kunst" und „Obszönität" unterschied. Der Begriff tauchte in den 1960ern auch im amerikanischen Underground-Kino auf — Andy Warhols Blue Movie (1969) spielte bewusst mit der Doppeldeutigkeit. Anders als das deutsche „Schmuddelfilm" war blue movie im Englischen nüchterner und weniger wertend. Mit der Liberalisierung der Filmzensur in den 1970ern und dem Aufkommen von hardcore und softcore als eigenständigen Genre-Begriffen verlor der Ausdruck an Trennschärfe und geriet außer Gebrauch — wer heute beim britischen Verleiher von einem blue movie spricht, erntet höchstens ein mildes Lächeln.
Abgrenzung zu modernen Genre-Begriffen
Wo blue movie einst als Sammelbegriff für alles diente, was nicht jugendfrei war, unterscheidet die Filmwissenschaft heute scharf: Erotica (narrativ eingebettete Sexualität mit künstlerischem Anspruch, etwa bei Tinto Brass oder Catherine Breillat), Pornography (explizite sexuelle Handlungen ohne erzählerischen Überbau) und Sexploitation (Low-Budget-Genrekino der 1960er/70er mit reißerischen Sujets, etwa Russ Meyers Arbeiten). Diese Binnendifferenzierung gab es zu blue movie-Zeiten nicht — der Begriff war eine grobe Schublade, die im Verleih und in der Zensurpraxis funktionierte, aber filmhistorisch wenig aussagt.
Warum der Begriff noch relevant ist
Für Filmhistoriker ist blue movie ein nützliches Zeitkolorit: Der Ausdruck markiert eine Ära, in der sexuelle Darstellungen auf der Leinwand noch Skandalpotenzial hatten und über Euphemismen verhandelt wurden. In der Festivalprogrammierung (etwa bei Retrospektiven des British Film Institute) taucht der Begriff gelegentlich noch kuratorisch auf. Für Drehbuchautoren und Produzenten von heute ist er irrelevant — wer einen Vertrag über „erotische Inhalte" oder „Nacktszenen" aushandelt, verwendet präzisere Vertragsklauseln. Kurz: blue movie ist ein sprachliches Fossil, das mehr über die Prüderie seiner Zeit verrät als über die Filme selbst.