Zeiss Biotar 58mm f/2.0 — Vintage-Objektiv mit charakteristischem Bokeh und weicher Zeichnung für Porträts.
Technische Details
Das Biotar 58/2.0 wiegt 285 Gramm bei einem Filterdurchmesser von 52mm. Die symmetrische Gauss-Konstruktion besteht aus zwei dreielementigen Gruppen mit hochbrechendem Schwerflintglas in den inneren Elementen. Der Blendenbereich reicht von f/2.0 bis f/16 mit zwölf Lamellen für kreisrunde Blendenöffnungen. Die Naheinstellgrenze liegt bei 0,6 Metern, der Bildwinkel beträgt 40°. Das Objektiv war ursprünglich für das M42-Gewinde (Pentax-Anschluss) konstruiert und später auch für das Exakta-Bajonett verfügbar.
Geschichte & Entwicklung
Carl Zeiss entwickelte das erste Biotar 1927 als Weiterentwicklung des Planar-Designs. Die 58mm-Variante erschien 1936 speziell für die Exacta-Kameras und etablierte sich schnell als Standardobjektiv für gehobene Kleinbildkameras. Nach dem Zweiten Weltkrieg fertigte Carl Zeiss Jena das Biotar bis 1970 weiter, während die westdeutsche Zeiss-Sparte das Design zum Planar 50/1.4 weiterentwickelte. Die Produktion endete mit der Einführung modernerer Mehrschicht-Vergütungen.
Praxiseinsatz im Film
Cinematographer Conrad Hall nutzte das Biotar 58 für Nahaufnahmen in "In Cold Blood" (1967), um die charakteristische Unschärfe-Charakteristik auszunutzen. Die Optik erzeugt bei Offenblende eine weiche Hintergrundunschärfe mit leichtem "Swirly Bokeh" - kreisförmigen Unschärfekreisen, die zu den Bildrändern hin oval werden. Moderne Filmproduktionen setzen adaptierte Biotar-Objektive für Vintage-Looks ein, insbesondere bei digitalen Kameras, wo die warme Farbwiedergabe den sterilen Sensor-Look mildert.
Vergleich & Alternativen
Das Biotar 58 unterscheidet sich vom späteren Planar durch weniger Kontrast und weichere Gradation. Moderne Alternativen wie das Zeiss Planar 50/1.4 oder das Leica Summilux bieten höhere Schärfeleistung, aber weniger Charakter. Helios 44-2 aus sowjetischer Produktion basiert auf dem Biotar-Design und liefert ähnliche optische Eigenschaften zu deutlich geringeren Kosten. Für digitale Produktionen eignet sich das Biotar besonders bei Available Light-Situationen, wo seine Lichtstärke und der organische Look gefragt sind.