Unabhängiges Mikrokino in privaten Räumen — oft Wohnkeller, Lager, improvisierte Locations. Programmiert gegen Mainstream, Teil der Avantgarde-Szene.
Im Kellerkino treffen sich Filmemacher und Zuschauer in Räumen, die niemand für Kino vorgesehen hat. Ein Wohnkeller, ein feuchtes Lagerhaus, manchmal auch nur eine umgeräumte Garage — das ist die Arena. Was hier läuft, hat mit dem Multiplex-Programm nichts zu tun. Experimentalfilm, Super-8-Schmalspuren, lange vergessene Stummfilm-Raritäten, lokale Produktionen, die kein Verleih anrührt. Das Kellerkino funktioniert als Gegenpol zum kommerziellen Kino und als Labor für alles, das zu marginal, zu unrentabel oder zu radikal ist.
Praktisch arbeitet man hier unter Bedingungen, die jeder DoP kennt, der schon mal auf Limited Locations gedreht hat. Fensterlose Räume bedeuten absolute Lichtkontrolle — man braucht kein Blackout-Tuch. Die Akustik ist oft problematisch; eine improvisierte Leinwand an der Wand absorbiert Schall, aber ungleichmäßig. Der Projektor steht manchmal drei Meter hinter den Zuschauern, der Projektionsabstand ist minimal. Das zwingt zu DCP-Playback oder zu 16mm-Projektoren aus den 1980ern — Geräte, die man noch kaufen kann und die zuverlässig laufen. 35mm ist selten, zu teuer für die Infrastruktur.
Die Programmgestaltung folgt kuratierenden Prinzipien, nicht kommerziellen. Ein Abend könnte ein Retrospektiv zu experimenteller Fotografie und Film sein, der nächste eine Werkschau von drei lokalen Video-Artists. Die Zuschauer kennen sich oft persönlich, sitzen dicht beieinander. Das schafft eine ganz andere Atmosphäre als ein Arthouse-Kino — weniger professionelle Distanz, mehr Austausch. Nach dem Film wird diskutiert, manchmal heftig.
Für den Kameramann oder die Schnitterin lohnt sich der Blick ins Kellerkino, weil dort Standards fallen. Schwarzwert-Kalibrierung ist sekundär, wenn die Leinwand ohnehin eine Heimwerker-Konstruktion ist. Dafür wird oft mit extremer Helligkeit oder extremer Dunkelheit gearbeitet — Kontrast als eigenständiges Gestaltungsmittel. Auf dem Festival-Zirkuit haben Filme, die im Kellerkino uraufgeführt wurden, oft einen Ruf: Sie trauen sich etwas. Sie wurden nicht für den optimalen Projektor geschnitten, sondern aus einer künstlerischen Notwendigkeit heraus.
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