Schauspieler, der direkt in die Kamera spricht und das Publikum anspricht — Moderator im Film. Klassisch in Slapstick und frühem Kino.
Der Bonimenteur blickt direkt in die Kamera und spricht das Publikum an — eine Technik, die im frühen Stummfilm zur Norm wurde und heute noch in Komödien funktioniert, wenn sie richtig eingesetzt wird. Anders als ein Voice-Over ist der Bonimenteur physisch präsent, meist als Charakter im Bild, der die vierte Wand durchbricht und mit uns verhandelt. Im Slapstick arbeitet das herrlich: Der Clown sieht, dass die Verfolgungsjagd gleich schiefgehen wird, wendet sich uns zu, hebt die Augenbrauen — und schon ist der Zuschauer Komplize.
Historisch entstand die Rolle aus dem Varieté und den Jahrmarktschaustellern. Der Bonimenteur war wörtlich der Anpreiser, der vorm Zirkuszelt stand und Publikum ins Haus schrie. Im Film übernahm er diese Funktion: Er erklärte Handlung, kommentierte Ereignisse, baute Spannung auf. Charlie Chaplin nutzte das Mittel meisterhaft in City Lights (1931) — jene Momente, in denen der Tramp uns anschaut und sein Schicksal durch einen Blick vermittelt, nicht durch Dialog. Bei Buster Keaton war es subtiler: sein steinernes Gesicht ist die Botschaft, aber auch er kannte den Moment, in dem ein direkter Kontakt zum Zuschauer nötig wird.
Am Set muss man das sorgfältig fotografieren. Die Kamera sollte stabil sein — kein Wackeln, wenn der Bonimenteur spricht. Die Augen sind alles: Licht muss im Auge sitzen, damit dieser Blick wirklich ankommt. Ein häufiger Fehler ist, zu nah heranzugehen; ein Medium Shot oder sogar Full Shot funktioniert oft besser, weil das Publikum die ganze Körperhaltung sieht — die Schultern, die Geste, die Körpersprache, die den Blick verstärkt.
Heute nutzen Regisseure wie Taika Waititi oder die Safdie-Brüder die Bonimenteur-Technik wieder, um Ironie zu verstärken oder die Distanz zwischen Film und Zuschauer zu spielen. Sie funktioniert besonders in Comedy und in selbstbewusst inszenierter Absurdität — überall dort, wo das Publikum wissen soll, dass es gemeint ist, nicht nur der Rest der Welt auf der Leinwand. Ohne diesen direkten Kontakt verliert sie ihre Kraft.
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